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Der erste Tag

Nach wochenlanger Vorfreude geht es am Sonntagvormittag endlich mit dem ICE von Hannover nach Frankfurt. In unserem Abteil kommen wir mit Kai ins Gespräch - oder besser gesagt - Kai mit uns. Kai ist Anfang 20 und Informatikstudent aus Oldenburg. Er selbst hält sich - wie er besonders zu betonen versucht - nicht für einen Nerd. Bereits nach zehn Minuten Unterhaltung sind wir beide vom Gegenteil überzeugt. Mein Fuss tut vom Hornissenstich von Freitagnacht immernoch höllisch weh. Er ist dick und fett geschwollen. In Frankfurt angekommen suchen wir zügig den Emirates-Schalter auf um uns möglichst schnell von den schweren Rucksäcken zu trennen. Erledigt. Wir warten hinter dem Sicherheits-Check mit ca. 356483 Indern, Chinesen, Thais und Japanern. Unsere Plätze im Flieger sind gut. Mehr Beinfreiheit als 95% der anderen Reisenden, aber trotzdem nicht die Notausgangplätze die wir uns erhofft hatten. Arschkarte. Nach diversen GinTonics, drei Hollywood-Blockbustern und etlichen Toilettengängen erreichen wir nach sieben Stunden unausgeschlafen Dubai. Krass. Gross. Teuer. Unnormal. In den schwarzen Bodenfliesen kann man sich förmlich spiegeln. Lichter. Chrom. Riesige Luxus-Werbeplakate. Turnhallengrosse LCD-Leinwände. Einfach unglaublich. Wir verlassen den Sicherheitsbereich und fragen den Emirates-Mitarbeiter im Scheichkostüm ob es möglich wäre den Flughafen trotz der kurzen Aufenthaltsdauer zu verlassen. Er kontrolliert unsere Pässe, schiebt sich - ohne auch nur eine Miene zu verziehen - ein "Welcome in Dubai" über die Lippen und lässt uns passieren. Zehn Meter weiter legen wir unser Handgepäck aufs Band und lassen es durchleuchten. Zweite Passkontrolle. Eine Frau - die aussieht als wäre sie der Bruder von Rainer Callmund mit schwarzem Umhang und dreimal so grossen Augenbrauen wie Bert aus der Sesamstrasse - nimmt meinen Pass, steckt ihn sich in ihre Kutte und winkt mich zu sich. Drogenkontrolle. Ich soll meinen Rucksack auf einen Tisch legen. Arne wird von ihr weggeschickt. Ich würde am liebsten einfach umkippen. Sie guckt mir mit ihrem übertrieben hässlichen Blick tief in die Augen, während sie meine Sachen bis ins Detail durchsucht. Sie fingert mit ihren hässlichen Fingern in den entlegensten Ecken meines Rucksacks herum und zerreibt sich die Staubkrümel zwischen ihren Wurstfingern. Natürlich wird sie nichts finden, trotzdem habe ich todesangst. "Drugs?"... "Alcohol?"... "Did u take any drugs before u come to Dubai?" Während meine 26 Jahre alte Pumpe auf Hochtouren arbeitet, antworte ich natürlich mit "Nein!" Endlich auf dem Weg zum Ausgang, als ein Flughafen-Mitarbeiter zum Dritten mal unsere Pässe kontrollieren will. Mittlerweile ist es 0 Uhr. Während ich innerhalb von fünf Minuten vorm Flughafen bei gefühlten 50 Grad hastig meine Zigarette rauche, ziehen Luxuskarossen mit rundum getönten Scheiben im Wert von mehreren Millionen Euros an mir vorbei. Wir schwitzen. Mit vier Stunden Verspätung landen wir um 18:nochwas ortszeit in Kuala Lumpur. Es ist heiss und wir sind nach 24 Stunden ohne Schlaf totmüde. Nach einer kurzen aber leidenschaftlichen Diskussion entscheiden wir uns für den Bus. Vierzig Minuten Fahrt für umgerechnet "einen Euro nochwas". Der Busfahrer scheint viel Spass an seiner Arbeit zu haben und gibt alles. Es wird nach Herzenslust links und rechts überholt. Und komischer Weise fährt er sogar schneller als die anderen Autos. Der Geruch im Bus erinnert mich irgendwie an die Umkleide im Eishockey-Trainigslager in Tschechien. Es stinkt bestialisch nach kaltem Schweiß. In Chinatown angekommen laufen wir wie durch einen Zufall direkt auf unser Hostel zu. Stayorange.com. Nachdem wir unseren Zimmerschlüssel bekommen haben, treffen wir im Treppenhaus nicht wie erwartet die ersten deutschen Backpacker - Nein - sondern Kakerlaken. Das Zimmer ist winzig, die Wände orange, das Bad sauber und die AirCondition funktionsfähig - was will man mehr für 8 Euro die Nacht. Wir entscheiden uns trotz der langen Zeit ohne Schlaf, nach einer Dusche noch für einen kleinen Erkundungsspaziergang durch Chinatown. Bei "Tiger-Bier" und gebraten Nudeln lassen wir den Abend ausklingeln, während wir schwitzend den Klängen des benachbarten Reggae-Clubs lauschen. Die Klimaanlage über unserem Bett scheint nicht zu funktionieren. Es ist heiss in dem orangen Zimmer ohne Fenster. Mir läuft der Schweiß ins Auge. Ich schlafe ein....
13.7.09 18:49
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Manuel (14.7.09 13:14)
Weiter so :-))


Haucke (14.7.09 14:19)
Hört sich doch top an! =)

Arne, grüß Arne!


Nina (14.7.09 20:30)
"leidenschaftliche Diskussion" <- ich weiß genau, wie die aussah!! *lach* Der Kracher...undwehe ich kriege keine Karte!!! :-P

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